Einfache Richtlinien zur Stromversorgung von EDV-Anlagen

Nachfolgend finden Sie einfache Spezifikationen bzw. Anforderungen für eine vom ZID der TU Graz vorgeschlagene, EDV-gerechte und praxiserprobte Elektroinstallation, wie sie in den vom ZID betriebenen Maschinenräumen und Lernzentren eingesetzt wird (industrielle Nutzung).

Aus Gründen der Sicherheit und Verfügbarkeit wird hier ein hoher Maßstab angesetzt. An anderen Institutionen mögen andere Vorraussetzungen existieren und daher andere Umsetzungen erforderlich sein. Dies ist in Gesprächen mit dem ZID und der Abteilung Gebäude & Technik zu erörtern.

Büro & Lernzentren

  • 4 bis 6 PC-Arbeitsplätze komplett (Kleinrechner, Monitor, Peripherie) auf einem Sicherungskreis
  • 1 Fehlerstromschutzschalter G-Type mit 3 Leitungsschutzschalter 16 Ampere, D-Type kombinieren; nötig beim Betrieb einer Zeitschaltuhr, früher auch bei vielen CRT-Monitoren; der C-Typ macht Probleme nach Stromausfällen!
  • Auslösekennlinie D (sehr träge) ist definiert durch 10 bis 20fachen Nennstrom
  • Fehlerstromschutzschalter mit Auslösestrom 0,03 Ampere, Bauart G (mindestens 10ms Verzögerung) Type G: stoßstromfest, oberwellenfest, leuchtenfest Verkabelung YM-J 3x2,5²
  • namhafte Hersteller der Automatenware bevorzugen (z.B.: F&G, Schrack, ABB, etc., keine "Haushaltsware" verwenden)
  • auf wirksame Zugentlastung bei beweglichen Steckdosenverteilern beachten
  • Überspannungsschutzeinrichtung vorsehen: z.B.: OBO AS V25-B oder F&G VB7-280/4 Bauart C AS (akustische Signalisierung mit 24h Reset)
  • Variante gegen Aufpreis: FI/LS-Kombischalter 16A, derzeit am Markt nur C-Type erhältlich; Vorteil: im Störfall fällt nur der betroffene Sicherungskreis aus; Nachteil: Mehrkosten durch Automat; wg. C-Typ für Zeitschaltuhrbetrieb ungeeignet
  • einheitliche, leicht programmierbare und übersichtliche, elektronische Zeitschaltuhren verwenden; z.B.: Sauter Memotime ZDR 101 (1-Kanal, beleuchtetes Display, optionales Memory Modul)
  • Handumschalter - Unterbrechung zwischen Handbetrieb und Zeitschaltuhrbetrieb vorsehen; Kennzeichnung: Hand - 0(Aus) - Uhr(Automatik); besser Schlüsselschalter am Platz des Vortragenden
  • Drucker & Plotter sind über einen eigenen Sicherungskreis zu versorgen
  • keine "Weihnachtsverkabelung" (Verteiler auf Verteiler)! Max. 10 Ampere Dauerstrom pro Tischverteiler.
  • sorgfältig ausgeführten E-Verteilerplan (auf Datenträger und 2-facher Ausdruck) in Plantasche bereitlegen
  • alle maschinellen Beschriftungen (Hinterband) nur auf gereinigte Oberflächen anbringen und aufreiben
  • Vorsicherungen und Leistungs-Schütze gemäß ÖVE sind in dieser Kurzaufstellung nicht berücksichtigt

Maschinenräume, größere EDV-Labore

Für Maschinenräume und größere EDV-Labors sind neben Klimatisierung und Brandschutz viele zusätzliche Maßnahmen wie EMV, Potentialausgleich, Drehschwenkverteilerkästen, Bodenbelag, getrennte USV- & Lichtstromversorgung, Überwachung der Netzqualität, Leckstromüberwachung, optionale Anspeisung mit Notstromaggregat (wird bei lang andauernden Revisionarbeiten des Stromlieferanten vom ZID angemietet), uvm. zu berücksichtigen.

Die Installation einer USV ist unbedingt vorzusehen, da Stromausfälle nicht nur ein unkontrolliertes Ausschalten der Geräte und damit Datenverlust bedeutet, sondern oftmals auch Hardwareschäden als Folge auftreten. Weiterhin werden duch die USV Störungen im Stromnetz (Spannungsspitzen) herausgefiltert.

Zusätzliche Informationen

Alte Monitor-Modelle haben hohe Einschaltstoßströme; C-Automaten sind daher nicht empfehlenswert. Schaltnetzteile können Leckströme bis in den mA-Bereich aufweisen. Eine hohe Anzahl von Power-Supplies kann daher zum korrekten, aber unerwünschten Abschalten des FI-Schutzschalters führen!

Y FI-Schalter mit 30mA können in der Praxis schon beim halben Bemessungsfehlerstrom - also 15mA - auslösen. Daher ist die Anzahl der FI-Schalter für den EDV-Betrieb zu erhöhen. Der ZID - Technischer Service - stellt einfache Leckstrommeßgeräte im Problemfall zur Verfügung. Eine zentrale Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV, UPS) ist mehreren, kleineren Lösungen energietechnisch und wartungstechnisch vorzuziehen. Hiebei wird als Faustformel der maximale Verbrauch aller EDV-Komponenten in Watt ermittelt, dieser mit 1.4 multipliziert und 20% Reserve aufgeschlagen; somit ergibt sich die notwendige USV-Leistungsklasse in VA.

Die gewünschte Autonomiezeit ist zu erwägen und führt so zum Bedarf an Akkumulatoren. Diese sind in vielen wartungsfreien Ausführungen mit unterschiedlicher Lebensdauer von rund 3 bis 12 Jahre erhältlich. Ein Akkuparallelbetrieb ist wo immer möglich vorzusehen! Bei Drehstrom-USV-Anlagen ist zudem auf eine sehr gleichmäßige Phasenauslastung zu achten. Qualitativ hochwertige Anlagen sind nahezu zu 100% schieflasttauglich!

USV-Anlagen haben bis zu 10% Verlustleistung, welche auch thermisch abgeführt werden muß. Die Nennleistungsangaben sind zumeist auf cos phi = 0,8 bezogen!

Achtung: Bei höherem Leistungsfaktor aller angeschlossenen Verbraucher (z.B.: cos phi = 0,93 von Schaltnetzteilen) reduziert sich damit die Nennleistung erheblich!

Die Umgebungstemperatur von wartungsfreien Bleiakkumulatoren soll 20°C nicht überschreiten! Deren Lebensdauer sinkt mit steigender Temperatur alle 10°C um bis zu minus 50%! Akku-Empfehlungen und Datenblätter sind verfügbar.

Monitore, Drucker und ähnliche Peripherie dürfen NICHT an das USV-Netz angeschlossen werden!

Beispiel für die Bemessung einer Klein-USV-Anlage

  • 2 PC-Server: 450 Watt gemessen im Volllastbetrieb
  • 1 Workstation: 380 Watt gemessen im Volllastbetrieb
  • [(450 + 380) x 1,4] + 20% = 1395 VA Scheinleistung
  • zu wählende USV-Leistungsklasse: 1.500 VA

Beschriftungsvorschlag

Die Schuko-Steckdosen sind mit verschiedenfarbigen Zentralstücken codiert und mit Verteilerschrank- & Automatennummer zu kennzeichnen.
  • Schuko-Zentralstück weiß: Lichtstrom vom Verteiler CE mit Automat F305 - Beschriftung: CE F305
  • Schuko-Zentralstück grün: USV-Netz vom Verteiler USV mit Automat 4F1 und Phase L1 - Beschriftung: USV 4F1/L1

Leihgerätepark

Die Planung und Umsetzung einer EDV-gerechten Infrastruktur hat hohen Stellenwert und ist dem jeweiligen Bedarf (Büro, Maschinenraum, Schulungsraum) ganz spezifisch anzupassen! Vor allem auf USV- und Klimaversorgung wird oftmals zu wenig Augenmerk gelegt!

Es stehen zudem ein elektrischer Meßgerätepark (TrueRMS DMM, AC/DC Zangenamperemeter, Power Quality Analyzer, Leckstrommeßgeräte) sowie Datenlogger und Messkoffer für Temperatur & Feuchte nach telefonischer Rücksprache für den Verleih bereit.